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CRIME@ktuell 2024-11   >>>>>Leichen


PD Seeger aus Stuhr im Gespräch mit dem Pathologen Ulrich C. aus Bremen, der für die PDA Stuhr in der Forensik tätig ist.

(Forensik = Wissenschaftliche Untersuchung krimineller Handlungen)


Wie ist das mit der Zersetzung von Leichen, die irgendwo aufgefunden werden ?

Also, das hängt von mehreren Faktoren ab:

Das Wetter und die Temperatur vor Ort spielen eine große Rolle. Wenn es warm und feucht ist, zersetzen sich Leichen im Freien überwiegend sehr schnell. Weiterhin spielt eine Rolle, wie die Leiche gelagert ist - beispielsweise in einer Kiste oder in einem Sack verschnürt, oder in die Erde eingebuddelt, oder zB einfach nur im Gebüsch abgelegt. Außerdem ist markant, ob es Tierfraß gibt: Etwa durch Ameisen, Maden, Kleinfresser (Marder, Ratten, Mäuse  usw.) oder womöglich gar durch Wildschweine.


Wie wirken sich Wetterbedingungen beim Zustand einer Leiche aus ?

Es verhält sich so: Ist es zum Zeitpunkt eines Verschwindens einer Person noch kalt, und vielleicht mit zwischenzeitlichen Unwettern und Regen, dann aber wiederum auch starke Wärme oder Hitze, kann es zu atypischen Entwicklungen beim Verfall des Körpers kommen.


Also wirken Kälte und aber auch Wärme ein ?

Ja, definitiv:   Solange es kalt ist, wachsen Bakterien und aber auch Insekten, also vor allem Fliegen mit ihren Larven (Maden) langsam. Wenn es dann wärmer wird, wachsen sie schneller und lösen die Leichen folglich auch schneller auf.


Wie erschwert der Zustand einer Leiche ihre Identifizierung ?

Grundsätzlich wird es im Verlaufe der Zeit zunehmend schwerer eine aufgefundene Leiche zu identifizieren. Aber vor allem das Gebiss, und aber auch die Grundmaße der Person geben zumeist schnell weiterführende Erkenntnisse.

Und seit der Entdeckung genetischer Fingerabdrücke in Vermissten-Fällen spielt die Verwesung im Prinzip keine wesentliche Rolle mehr, denn in den Knochen und Zähnen ist immer noch stets genügend Erbgut vorhanden, um bestimmen zu können, ob die Leiche die vermisste Person ist oder eben nicht.


Gibt es leichtere Wege zur Identifizierung ?

Durchaus. Wenn es um den "ersten Blick" geht spielt zunächst die körperliche Erscheinung die entsprechende Rolle: Körpergröße und auch natürlich die Bekleidung und getragener Schmuck, sowie Tätowierungen.


Wie wird eine Leiche untersucht und wonach wird gesucht ?

Gesucht wird grundsätzlich nach Auffälligkeiten.

Nach der fototechnischen Aufbereitung des Falles gehen wir über zur Detail-Untersuchung.

Das sind neben Verletzungen, die zB an den Knochen sichtbar sind, beispielsweise "Scharten", also Einritzungen, die von einem Messer stammen könnten, auch dann im weiteren Verlauf andere pathologische Fakten.


Das können Gifte sein, die im sogenannten "Weichgewebe", also im körperlichen Gewebe wie der Muskulatur, aufgefunden werden, aber auch in harten Körper-Teilen, also vor allem den Knochen oder in Knocheneinlagerungen.

Auch wird nach externen Spuren untersucht, wie zB Spuren von Brand, Ersticken, Knochenbrüche, Schmauchspuren usw.


In welcher Hinsicht sind die Erkenntnisse weiterführend ?

Nun, es geht natürlich auch darum, jegliche Erkenntnisse darüber zu gewinnen, was vom Täter stammen könnte:

Haut-Zellen, Haare, Kleidungs - Fasern, Blut, Sperma, Speichel-Sekrete, Fingerabdrücke, oder auch generell natürlich dessen Gegenstände.


Bedeutet dass, das es auch weiterführende Untersuchungen geben kann ?

Die Kolleginnen und Kollegen aus der Pathologie bzw. der  Rechtsmedizin schauen unter anderem auch danach, ob es bestimmte Flecken auf den Organen gibt, insofern diese noch erhalten sind; ob es Brüche oder Verformungen gibt, wie zB am Kehlkopf (durch Würgen) oder Strangulierung, oder ob der Schädel gebrochen / gespalten oder durch Munitions - Geschosse durchlöchert ist. Auch Blut-Unterlaufungen (Ansammlungen) können interessant sein, oder Löcher in der Haut, sowie Magen- Blasen- oder Darminhalte.


Das führt dann zu welchem Ergebnis ?

Bevor es Ergebnisse gibt, spielen erst einmal alle Veränderungen am oder im Körper eine Rolle, die auf eine Anomalie basieren, also einer Veränderung gegenüber dem eigentlich zu erwartenden Grundzustand eines Körpers bzw. einer Person.


Was könnte noch vielleicht von einem Interesse sein ?

Nun, vielleicht zB die Fragestellung, ob der Fundort auch der Todesort bzw. der Ort des Mordes ist; denn das ist stets nicht sichergestellt, dass es der selbige Ort ist.   Vielleicht wurde die Leiche auch nur dort hin transportiert.


Vielen Dank für das sehr interessante Interview, Kollege C.

Sehr gern, es hat mich erfreut.


 Basiert auf wahren Gegebenheiten .

ü PDA Stuhr (Forensik  -  Zeichnung HOvS)

Ulrich Cerwenka, Pathologe